Sie waren diejenigen mit den längsten Haaren und dem unpassendsten Auftreten, sie waren schlagfertig (nicht nur verbal) und vor allem trinkfest. Gar die Rolling Stones haben angeblich den Vergleich mit ihnen gescheut. Besser so: Der junge Mick Jagger und seine Kumpanen wirkten neben The Pretty Things eher wie eine Horde Ministranten als eine echte Rockband.
1963 gründeten Dick Taylor (übrigens Gründungsmitglied der Stones) und Phil May eine gemeinsame Band. Ihr wilder, roher Rhythm and Blues, ihr finsteres Auftreten und ihre exzessiven Bühnenshow machten die Jungs schnell bekannt. Nach der ersten Single «Rosalyn», kam «Don’t Bring Me Down» 1964 in die TopTen der UK-Charts. In den USA hingegen wurde der Song verboten, wegen der umstrittenen Songzeile «and then I laid her on the ground». Die Amerikaner kamen erst Mitte der 70er-Jahre in Kontakt mit den Pretty Things – aber auch nur, weil David Bowie den Song «Don’t Bring Me Down» coverte.
Während The Beatles den Knicks am königlichen Hofe vollführten, blieben die Pretties dirty, zumindest was ihre Darstellung in der britischen Presse anging. Hier wurde über die Glorifizierung des Alkoholkonsums auf ihrer Single «Midnight To Six Men» lamentiert oder über Schlägereien berichtet, die sich die Band mit dem Publikum lieferte. Der Höhepunkt der Provokation war schliesslich mit der Drogenverherrlichungshymne «L.S.D.» erreicht, der ersten Erwähnung der Synthiedroge in der Popmusik überhaupt. Der Song zeichnet nicht nur ein passendes Bild von dem farbenfrohen Zeitalter, er zeugt auch von einer turbulenten Periode für die Band. Bei einer handfesten Auseinandersetzung mit dem schwedischen Box-Weltmeister Ingemar Johansson wurde der Schlagzeuger Viv Prince – meist betrunken oder sonst irgendwie high – so schwer verletzt, dass er kurzfristig von Mitch Mitchell, dem späteren Jimi-Hendrix-Schlagzeuger, ersetzt werden musste.
Auch wenn sie nie an die Berühmtheit der Stones oder Beatles herankamen, ihren legendären Ruf konnten The Pretty Things bis heute verteidigen. Auch 50 Jahre nach der Bandgründung sind die gut 70-jährigen Musiker härter und heisser als die Stones es sind und die Beatles es je waren. Zu ihrem 50. Bandjubiläum spielen The Pretty Things zum zweiten Mal nach 2007 im Gaswerk.
Wenn das Gaswerk Legenden aus den 60ern ankündet, dann kanns nur eine Vorband geben. Wie auch schon 2010 bei The Sonics, werden die Winterthurer The Royal Hangmen den Abend eröffnen. Sie spielen schnell, wild und laut, wie es sich für ordentlichen 60s-Rock’n’Roll gehört. Ihre Songs dauern kaum 3 Minuten und sind geprägt von einer Vox-Orgel, übersteuerter Fuzz-Gitarre und einem Schlagzeug, wie von einem Höhlenmenschen auf Speed gespielt.
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